Madden NFL 08


Erschien am 02. Oktober 2007
Publisher: EA
Entwickler: EA Sports
Details zum Spiel

Endlich Next Generation?


• Seite 1: Endlich Next Generation?

Alle guten Dinge sind drei. So lautet das bekannte Sprichwort, das wohl jeder kennt. Und im Falle Madden NFL 08 bewahrheitet es sich sogar. Denn die beiden Versionen, die bisher auf einer Next Generation Konsole erschienen sind, konnten nicht an die gewohnte Qualität der Madden-Spiele heranreichen. Verwunderlich ist das nicht wirklich, denn bereits auf der PS2 brauchte das Team EA Tiburon drei Anläufe, um der Serie den nötigen Feinschliff zu verpassen. Warum also von alten Gewohnheiten ablassen? Wie auch immer. Bei dem uns vorliegenden jährlichen Update haben die Entwickler endlich alles richtig gemacht und alle bisher vermissten Features der Vorgänger auf die ein oder andere Weise wieder ins Spiel integriert. Zudem wurden dem Spiel kleine aber feine Neuerungen verpasst, die dem aktuellen Madden gut zu Gesicht stehen.

Am eigentlichen Spielprinzip wurde natürlich nichts verändert. Nach wie vor müsst ihr den Football entweder per Lauf oder Pass in die Endzone des Gegners tragen. Um jeweils zehn Yards zu überbrücken stehen euch vier Versuche zur Verfügung. Wenn das klappt, dann gibt’s erneut vier Versuche. Wenn ihr es dann bis in die Endzone schafft, dann landen sechs Zähler auf eurem Punktekonto. Anschließend noch den Point after Touchdown (PAT) ausführen und es steht 7:0. Wichtige Spieler werden mit dem Weapons Feature mit einem von ca. 20 Symbolen versehen, das anzeigt, über welche speziellen Fähigkeiten der Spieler verfügt. Diese Symbole variieren natürlich und werden entsprechend der Position des Spielers angezeigt. Das trifft sowohl für die Offense als auch für die Defense zu. Vom Prinzip her lässt sich dieses Feature auf das altbekannte Schere, Papier, Steinprinzip herunterbrechen. Es gibt nämlich immer einen Gegenspieler, der die Fähigkeiten des eigenen Akteurs neutralisieren kann. Außerdem hat das den Vorteil, dass sich nun die Fähigkeiten auf jeder Position festlegen lassen, während die Entwickler bei den Vorgängern lediglich den Unterschied bei Fertigkeiten auf bestimmten Positionen eingrenzen konnten. So war z.B. das Können eines Bred Favre deutlich von einem No-Name Quarterback zu unterscheiden.



Der scheint durch zu sein
Des Weiteren hat sich einiges bei der Steuerung getan, die nun so komplex wie noch nie ist. Und das fängt schon beim Presnap an, da sich mit jedem Button irgendetwas einstellen lässt. Ihr könnt der D-Line unabhängig vom Backfield bestimmte Aktionen zuweisen, Hotroutes festlegen, einen Audible aussprechen usw. Es ist nahezu alles möglich, was auch in einem realen Spiel denkbar ist. So könnt ihr mit der Playmaker Steuerung, die nun wieder da ist, den Fokus der Defense auf eine bestimmte Position festlegen und z.B. einen bestimmten Wide Receiver decken. Das hat natürlich zur Folge, dass anderen Passempfängern weniger Beachtung geschenkt wird und es so für den gegnerischen Quarterback leichter ist diese anzuspielen. Hits erfolgen nun gezielter durchgeführt werden. Wenn ihr bei einem Tackle den rechten Analogstick nach oben drückt, dann wird der Gegner an der oberen Körperhälfte getroffen. Drückt ihr den Stick nach unten, dann geht der Tackle in die untere Körperhälfte. Je nachdem welchen Spieler mit welchen Fähigkeiten ihr tacklet hat der Hit demzufolge auch unterschiedliche Auswirkungen. So kann es passieren, dass ein Ball von einem Running Back der unsicher beim Lauf mit dem Ball ist eher gefumbled wird, als von einem Spieler, der das Ei gut abschirmen kann. Bis die Steuerung samt allen möglichen Befehlen in Fleisch und Blut übergeht vergehen ein paar Spiele. Habt ihr aber erst mal den Dreh raus, dann offenbart sich die anfangs komplizierte Steuerung als Kinderspiel und entlockt euch zahlreiche fernsehreife Aktionen.


Bis hier und keinen Schritt weiter
Auffällig ist, dass es in diesem Jahr besonders viele Fumbles gibt. Es ist zwar nicht unrealistisch, aber könnte dennoch bei dem ein oder anderen Spieler für Frust sorgen. Mir selbst ist es des öfteren passiert, dass ich bei einem Kickoff Return den Ball gefumbled haben, ohne es mir erklären zu können. Glücklicherweise bleibt die CPU davon ebenfalls nicht verschont, so dass hier Chancengleichheit herrscht. Auch die Defense hat schön brav die Schulbank gedrückt und hat merklich dazugelernt. Für meinen Geschmack ein wenig zu viel. Denn während beim Vorgänger der Ball wesentlich leichter an den Mann gebracht werden konnte, scheint die Defense förmlich an den Gegenspielern zu kleben, so dass Pässe oftmals als Interception beim Gegner landen. Es kommt also noch viel mehr auf das richtige Timing bei Pass an. Darüber hinaus fällt das Verhalten auf dem Platz sehr realistisch aus.

Der Franchise-Modus bildet den Kern des Spiels. Mit eurer Lieblingsmannschaft könnt ihr über die Dauer von drei Jahrzehnten um die Superbowl ringen. Während einer Saison habt ihr neuerdings vor jedem Spiel die Möglichkeit drei Spielern ein Spezialtraining zu verpassen, um deren Fähigkeiten zu verbessern. Während der Trainingseinheiten könnt ihr natürlich die Steuerung übernehmen, so dass ihr ganz gezielt bestimmte Spieler fördern könnt. Wer sich auch noch als Manager austoben möchte, erhält dazu im Owners Mode Gelegenheit. Hier gilt es dann u.a. die Finanzen im Auge zu behalten, Vertragsverhandlungen zu führen oder nach neuen Rookies zu suchen. Diese werden neuerdings als Versager oder Juwel klassifiziert, was auch mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet wird. Allerdings erst, wenn sie ein wenig Ligaerfahrung gesammelt haben. So lässt sich relativ einfach das wahre Potential eines Neulings feststellen. Wer das nicht alles alleine möchte, engagiert einfach Scouts, die einem die lästigen Arbeiten abnehmen.


Dunkle Wolken ziehen auf - für Spieler scheint aber zumindest bildlich die Sonne
Die wohl beste Neuerung ist der Online Modus, der in Europa seine Premiere feiert. Es ist zwar nur möglich gegen einen anderen Spieler anzutreten, aber das ist besser als nichts. Ihr könnt entweder an einem Rangspiel teilnehmen oder einfach just for fun ein Match spielen. Zu Lags kam es bei unseren Testspielen nicht. Alles lief absolut flüssig. Des Weiteren hat Madden NFL 08 eine Anbindung an das NFL Network, so dass ihr zahlreiche Videoclips runterladen könnt. Diese können aber nur angeschaut und leider nicht abgespeichert werden. Im Hauptmenü läuft, sofern eine Verbindung zu Xbox Live besteht, ein Ticker mit aktuellen Meldungen rund um den US-Sport. Eine Online NFL-Liga gibt es leider nicht, obwohl EA bei NHL 08 damit an den Start gehen will. Aber vielleicht reichen die Entwickler dieses Feature im kommenden Jahr nach.

Grafisch hat sich gegenüber dem Vorgänger nur minimal etwas getan. Das ist aber auch nicht wirklich tragisch, denn abseits des Spielfeldes ist allerhand los. Eure Teamkameraden stehen in der Teamzone an der Sideline und feuern euch an. Diverse Coaches stehen samt VIP-Ausweis ebenfalls am Spielfeldrand rum. Lediglich die beim Football üblichen Chearleeder haben sich irgendwo versteckt. Die Playstation 3 Version hat einen technischen Nachteil gegenüber der Xbox 360 Version. Auf der Sony Konsole waren nur 30fps machbar - Microsofts Xbox 360 bekommen 60 Frames pro Sekunde spendiert. Die Bewegungsabläufe sehen faszinierend aus, so dass es viel Spaß macht, sich seinen 60 Yards Pass noch mal in der Wiederholung anzuschauen.

Die Musikuntermalung ist wie immer gelungen und präsentiert sich als Pop/Rock Mix in den diversen Menüs. Auf dem Spielfeld weiß das Publikum durch jede Menge Radau zu gefallen und erzeugt in eurem Wohnzimmer richtige Stadionatmosphäre. Wenn ihr in der Offense spielt und die Zuschauer mal zu laut sind, dann könnt ihr diese mit einem Klick auf den linken Analogstick zur Ruhe auffordern. Die Kommentare kommen bekanntlich seit Madden NFL 06 nicht mehr von John Madden, sondern werden als Radiokommentar von wem auch immer präsentiert. Leider kann das als EA Radio deklarierte Feature nicht überzeugen. Denn der Kommentar fällt oft langweilig, monoton und emotionslos aus. Spielernamen werden auch kaum genannt. Für das nächste Jahr wünsche ich mir wieder Madden als Kommentator, der nur noch als Berater fungiert und euch Tipps bei der Auswahl des nächsten Spielzuges gibt.

Das diesjährige Motto von Madden NFL 08 dürfte wohl Back to the Roots lauten. Denn die spielerische Qualität hat spürbar zugenommen. Dafür sorgen letztlich viele kleine Verbesserungen. Aber auch die Neuerungen, wie das Weapons Feature beleben die Aktion auf dem Feld spürbar und sorgen für mehr Spannung und Abwechslung. Doch was mir noch viel mehr gefällt, ist, dass über das Internet endlich Online Spiele möglich sind. Es sind zwar nur einfache 1 gegen 1 Spiele möglich, aber das ist schon mal ein Anfang. Die Online Partien machen viel Spaß und sind absolut reibungslos verlaufen. Löblich ist auch, dass angezeigt wird, wie oft jemand ein Spiel vorzeitig beendet hat. So lassen sich unfaire Gegner schon vor dem Spiel ausmachen. Die Idee mit dem Liveticker und der Anbindung an das NFL Network weiß ebenfalls zu gefallen. So kann man sich vor einem Match auf die Schnelle über das aktuellen Geschehen der NFL informieren. IN der Pre-Season Zeit ist zwar noch nicht so viel los, so dass nur 30 Videoclips verfügbar waren. Spätestens wenn die Regular Season begonnen hat dürfte sich der Informationsgrad deutlich steigern. In diesem Jahr kann für Madden NFL 08 eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden.


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Artikel von Daniel Latak, ©2008 psking.net
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